Warum Achtsamkeit ohne Selbstmitgefühl nur eine Illusion ist
In einer Welt, die uns ständig antreibt, in kürzerer Zeit mehr zu schaffen, noch mehr aus unserem Potential, dem unserer Kinder, oder unserer anderen Beziehungen herauszuholen, scheint der Gedanke an Achtsamkeit oft wie ein ferner Traum. Viele von uns glauben, dass wir einfach nicht genug Zeit haben, um Achtsamkeit wirklich in unser Leben zu integrieren. Doch was, wenn das eigentliche Hindernis nicht die Zeit ist, sondern das fehlende Wissen über den wahren Kern der Achtsamkeit?
Achtsamkeit bedeutet mehr als nur Momente der Ruhe zu finden; es geht auch darum, sich selbst mit derselben Güte, Sorge und Aufmerksamkeit zu begegnen, die wir anderen entgegenbringen würden. Und genau hier kommt das Konzept des Selbstmitgefühls ins Spiel. Denn ohne Selbstmitgefühl bleibt Achtsamkeit eine leere Hülle, die ihre wahre transformative Kraft nicht entfalten kann.
In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum es nicht reicht, nur Zeit für Achtsamkeit zu finden, und warum das Üben von Selbstmitgefühl der wahre Schlüssel ist, um die tiefen Vorteile der Achtsamkeit zu erleben. Lass uns gemeinsam erkunden, wie du durch das Verständnis und die Praxis von Selbstmitgefühl einen neuen Zugang zur Achtsamkeit findest – einen, der dein Leben nachhaltig bereichern kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist denn nun Achtsamkeit?
3. Warum es keine Achtsamkeit ohne Mitgefühl geben kann
4. Echtes Mitgefühl braucht Selbstmitgefühl als Basis
Fazit
1. Was ist denn nun Achtsamkeit?
Sucht man nach dem Begriff Achtsamkeit lässt sich leicht der Überblick verlieren. Wir alle haben ein bestimmtes Bild vor Augen, wenn wir an Achtsamkeit denken. Sei es, dass wir wissen, wie gut uns meditieren tut und wir es schon längst mal wieder machen wollten, dass sie uns ruhiger und entspannter im Umgang mit anderen Menschen werden lässt, oder dass bestimmte Dekoelemente uns in entsprechende Stimmungen bringen können.
Oft wird Achtsamkeit missverstanden – als wäre es das Ziel, die Gedanken völlig zur Ruhe zu bringen und jede Ablenkungen auszublenden. In Wahrheit ist es viel einfacher. Und tiefgehender: Es geht darum, aufmerksam zu sein und wahrzunehmen, was im gegenwärtigen Moment passiert. Das kann so einfach sein wie das Bewusstsein für den eigenen Atem – den Luftzug, der bei jedem Ein- und Ausatmen durch die Nase strömt. Doch genauso gehört dazu das Erkennen, wenn die Gedanken abschweifen.
Achtsamkeit ist nicht das ständige Verharren in einem Zustand perfekter Konzentration, sondern vielmehr die Fähigkeit, zu bemerken, wenn der Geist wandert. Es ist der Moment, in dem man plötzlich merkt, dass die Gedanken woanders hingeglitten sind, und man dann sanft und ohne Wertung zum ursprünglichen Fokus zurückkehrt. Dieses Bemerken und Zurückkommen ist der wahre Kern der Achtsamkeit. Es bedeutet, sich nicht darüber zu ärgern, dass die Gedanken abgeschweift sind, sondern sich vielmehr darüber zu freuen, dass man es bemerkt hat.
Diese Akzeptanz und das Feiern des Moments, in dem wir unsere Achtsamkeit wiederfinden, sind entscheidend – denn sie führen uns zu einem wichtigen Teil der Achtsamkeit: dem Mitgefühl.
2. Warum es keine Achtsamkeit ohne Mitgefühl geben kann
Ein Aspekt von Achtsamkeit wird so gut wie immer vergessen, ohne Mitgefühl, kann es gar keine Achtsamkeit geben.
Achtsamkeit öffnet unsere Sinne und lässt uns sehen, was um uns herum und in uns geschieht. Achtsamkeit lässt uns beobachten. All das, was ist.
Im Gegensatz dazu öffnet Mitgefühl unser Herz. Denn wenn wir erkennen, dass etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, für uns, oder für andere, ist es Mitgefühl, für uns, oder für andere, dass uns dabei helfen kann, handlungsfähig zu bleiben. Einen Ausweg zu sehen, eine Lösung zu finden und gelassen zu bleiben.
Nehmen wir nur wahr, sind wir nur achtsam, haben wir noch kein Hilfsmittel in der Hand, um mit den Herausforderungen umzugehen, die sich uns dann offenbaren.
Und das ist einer der Gründe, warum viele Menschen, gar nicht achtsam leben können. Sie schützen sich.
Sie schützen sich davor, das zu sehen, was da ist. Weil sie die Schmerzen, die damit einhergehen würden, nicht aushalten könnten.
Mitgefühl lässt sich genau wie Achtsamkeit trainieren. Und dafür braucht es auch gar nicht viel. Es braucht weder viel Zeit, noch braucht es Geld. Es braucht Wiederholung, es braucht Erinnerung. Doch in einem Maße, das sich sehr leicht in jeden Alltag, in jedes Denken, integrieren lassen kann. Wenn man den für sich passenden Übungsweg gefunden hat.
Und dieser Übungsweg hält noch eine dritte Komponente bereit, ohne die wiederum Mitgefühl noch nicht komplett ist. Das Selbstmitgefühl.
3. Echtes Mitgefühl braucht Selbstmitgefühl als Basis
Achtsamkeit braucht also Mitgefühl. Die meisten Menschen bezeichnen sich in der Regel als mitfühlend. Doch ich sage, dass ein Aspekt des Mitgefühls bei vielen von uns nicht ausreichend ausgebildet ist. Nämlich das Selbstmitgefühl. Und das aus diesem Grund Mitleid, oft für Mitgefühl gehalten wird.
Das Ergebnis der daraus resultierenden Handlungen kann durchaus das Gleiche sein. Ich kann mein Kind trösten, wenn ich Mitgefühl empfinde und wenn ich Mitleid empfinde. Der Unterschied liegt in der inneren Haltung und der Verbindung zwischen der:dem Mitleid-, bzw. Mitgefühls-Empfänger:in und -geber:in.
Mitgefühl bedeutet nicht, dass du exakt das fühlst, was dein Gegenüber fühlt. Das wäre anmaßend. Es bedeutet, dass deine Sinne weit genug geöffnet sind, dass du erkennen kannst, was wirklich passiert ist und dein Herz weit genug geöffnet ist, um zu verstehen, was das bedeuten kann.
Mitgefühl möchte dazu beitragen, dass Schmerzen sich verringern, dass sie verschwinden. Mitleid möchte das auch irgendwo, aber ist viel zu klein und viel zu betrübt dafür, wirklich ins Tun kommen zu können.
Damit dein Herz weit genug offen sein kann, damit du Mitgefühl leben kannst, musst du dich zunächst selbst fühlen. Und das kann weh tun. Solange du dich selbst bemitleidest, brauchst du nicht allzu genau hinschauen. Du brauchst nicht alles sehen, was ist, oder war. Du kannst Mauern in dir errichten, die dich schützen. Selbstmitgefühl schaut hin, will verstehen und lässt Heilung zu. Selbstmitgefühl lässt dich erfahren, was dein Gegenüber möglicherweise fühlt. Es lässt dich Fragen stellen. Es lässt Verbindung zu. Selbstmitgefühl ist die Basis, für echtes Mitgefühl.
Bezogen auf das Beispiel mit dem weinenden Kind, kann das bedeuten, dass du anstatt zu sagen, dass alles schnell vorbei sein wird, weil du selbst nicht mitleiden möchtest, weil du den Schmerz, den dein Kind gerade empfindet, nicht aushalten möchtests, sagen kannst, was dein Kind unter Umständen fühlt. Du kannst sagen: “Oh wow, das muss echt wehtun. Ich bin da und halte dich. Wenn du magst beschreib mir, was du fühlst.”
Selbstmitgefühl schafft also Verbindung, sorgt für Mitgefühl und Achtsamkeit. Und das alles lässt sich trainieren. Es ist dabei wichtig, Achtsamkeitstraining an die individuellen Bedürfnisse von uns Menschen anzupassen. So unterschiedlich wie unsere Leben sind, so unterschiedlich sind die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Selbstmitgefühl zu verstehen, ist eine wichtige Säule im Gesamtkonzept Achtsamkeit.
Fazit
Wirklich achtsam können wir nur leben, wenn wir intuitiv Selbstmitgefühl kultiviert haben, oder uns bewusst dazu entscheiden, es zu trainieren.
Arbeitest du schon länger daran, gelassener zu werden, oder hast immer wieder mit ähnlichen Mustern zu tun, die zwar teilweise reflektieren kannst, aber bei denen es dir schwer fällt, in tiefere Schichten durchzudringen? Schläfst du vielleicht nicht so gut, oder hast du das Gefühl zu viele gleichzeitig anzufangen? Suchst du nach dem Glück in deinem Leben, oder einem Weg sicherere Entscheidungen zu treffen?
Dann kann es durchaus sein, dass das Trainieren von Selbstmitgefühl, dein persönlicher Schlüssel ist. Ich unterstütze dich gern auf diesem Weg, in meinem individuellen Mitgefühls-Coaching.
Liebe Grüße
Josefine